Geschichte der Laktoseintoleranz

Um das Phänomen Laktoseintoleranz zu verstehen, ist es hilfreich, sich mit den Hintergründen auseinanderzusetzen. Während in Mitteleuropa nur eine (starke) Minderheit mit Laktoseunverträglichkeit zu kämpfen hat, sind es in Teilen Asiens und Afrikas 90% und mehr der Bevölkerung. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, daß bis zu 75% der Weltbevölkerung den Milchzucker nicht mittels Laktase aufspalten können, bzw. nur in einem geringen Maß. Allerdings ist es auch in Ländern mit einer hohen Rate an Milchzuckerunverträglichkeit so, daß Babys durchaus Laktose vertragen. Da Milchzucker auch in der Muttermilch vorhanden ist, wäre das Stillen sonst mit erheblichen Problemen verbunden. Im Erwachsenenalter reduziert sich die Laktaseproduktion allerdings und dann kommt es eben zur Intoleranz.

Eine Genmutation ist die Ursache davon, dass inzwischen viele Menschen Milchzucker vertragen und erfolgreich verdauen können. Diese Mutation hat sich wahrscheinlich vor einigen Jahrtausenden entwickelt, als Kuhmilch als Nahrungsmittel auf den Speiseplan der Europäer kam. Die genaueren Zusammenhänge sind noch nicht vollständig erforscht. Vermutlich wurden die Vorteile der Milch recht bald erkannt, insbesondere auch um Kinder gut zu ernähren und ihre Entwicklung zu stabilisieren.

Laktoseintoleranz ist also keine Krankheit, kein Defekt oder Makel, sondern ein ganz normales Phänomen. Als Betroffener tut man gut daran, sich dies öfters vor Augen zu führen und sich auf keinen Fall stigmatisieren zu lassen. Im Grunde ist die Unverträglichkeit eher ’normal‘ als die Fähigkeit, Laktose zu verdauen. Unsere Kultur, Milchprodukte zu essen, ist ein Phänomen der letzten Jahrtausende. In anderen Erdteilen lebt man immer noch völlig ohne Kuhmilch und leidet dadurch auch nicht an einseitiger Ernährung. Insofern ist Verunsicherung fehl am Platz und vielmehr ein gezielter Umgang mit der Unverträglichkeit die richtige Lösung.